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Presse | Karl Harb, Salzburger Nachrichten, 16.06.2008

Halbzeit ist Vollzeit

"Gladiatorendämmerung" in der ARGEkultur: 45 Minuten Neue Musik in vier Kurzszenen zum Thema Sport und Gesellschaft.

Die Idee war apart: Freitag und Samstag, knapp vor der heißen Phase der Vorrunde der EURO, trafen in der ARGEkultur je zwei Kompositionsstudenten aus Bern und Salzburg zum Wettstreit "Schweiz gegen Österreich" aufeinander. Mit dabei: Musiker des Österreichischen Ensembles für Neue Musik unter der musikalischen Leitung von Carlos Chamorro Moreno, eine Tänzerin und ein Sportler. Miteinander suchten sie auf der Basis eines Konzepts von Marcus Hank in einer Performance nach Wechselwirkungen von Sport, Individuum und Gesellschaft.

Dass die Aufführung 45 Minuten dauerte, also genau die Halbzeit eines Fußballspiels ausmachte, mag ebenso Zufall gewesen sein wie der Zeitpunkt um 20 Uhr, was ungefähr der Spielpause zwischen den abendlichen Vorrundenspielen entsprach. Fußballfreunde versäumten also (fast) nichts. Dabei ging es bei diesem Projekt in den Kapiteln Schöpfung, Disziplinierung, Wettkampf und Sieg/Niederlage nicht um Fußball, sondern um den Athleten und seine Rolle in der Gesellschaft. Weshalb Martin Uhlir zum ersten, übersichtlich und klangsinnlich gebauten (Klaviersolo-)Stück von Aurélio Edler Copés eine olympische Fackel entzündete und dann in einem motorisch pointierten musikalischen Quintett ein choreografisches Lauftraining absolvierte. Das waren die Schweizer. Das "dark game" von Gábor Péter Mezei gehörte der Tänzerin (Heidrun Neumeyer), die sich mit ihren Bewegungslinien auch an den olympischen Ringen orientierte. Und "3 mal 11 Spielzüge" von Martin Wistinghausen bildeten den originellen Klangvordergrund für Zitate aus Elfriede Jelineks "Sportstück".

Die olympische Idee des "Dabeisein ist alles", die man im Konzept dadurch zu unterlaufen gedachte, dass der Sportler naturgemäß auch Held und Heros, Gladiator und Identifikationsfigur ist, dessen Leistung "vorbildlich" auf die Gesellschaft abfärben soll, stand im künstlerischen Ergebnis höher als Kraft und Prägnanz der einzelnen "Leistungen". In diesem Sinne war es durchaus ein "runder" Abend.

© Karl Harb, Salzburger Nachrichten

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