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ALL INCLUSIVE am 3.10.2018 um 19:30 Uhr
Foto (c) Andreas Hauch

ALL INCLUSIVE

Inszenierung: Ben Pascal

Theater Koveranstaltung mit Theater ecce

Wie soll man sich verhalten, wenn einem geliebte Menschen mit Beeinträchtigungen auch einmal 'lästig' fallen? ALL INCLUSIVE stellt – ohne moralisch zu werten - Fragen über das Wahrnehmen persönlicher Verantwortung versus Freiheitsdrang, über Solidarität versus Streben nach persönlicher Unabhängigkeit. Das Theater ecce präsentiert einmal mehr ein intensives Stück von großer gesellschaftlicher Relevanz.

Diskussion am 04.10.

Im Anschluss an die zweite Vorstellung am 04.10. lädt das Theater ecce ein zu einer Diskussion zum Thema "Wie inklusiv ist Salzburg?": Podiumsgäste sind Mag. Sabine Neusüß (Behindertenbeauftragte der Stadt Salzburg), Claudia Tomasini (Lebenshilfe Salzburg), Ben Pascal (Autor und Regisseur), Vertreter*innen der LAUBE sowie die Schauspieler*innen der Produktion.

Harald lädt Hanna, eine gute Bekannte zum Essen ein. Sie sprechen über den tragischen Tod von Haralds Frau Sandra, der sich vor zwei Wochen ereignet hat, über Haralds Pensionierung und über seinen Sohn Samuel, welcher Down-Syndrom hat. Auch Samuel, der immer wieder kommt und geht, wird in die Gespräche mit einbezogen. Die sehr warme und familiäre Stimmung erfährt eine abrupte Wendung, als Hanna schließlich aufbrechen will…

ALL INCLUSIVE stellt – leise und unaufdringlich – Fragen über das Wahrnehmen persönlicher Verantwortung versus Freiheitsdrang, über Solidarität versus Streben nach persönlicher Unabhängigkeit. Ohne moralisch zu werten, kommen angesichts einer immer höher werdenden Lebenserwartung Fragen von großer gesellschaftlicher Relevanz und bis ins intimste Private auftretende Konflikte zur Sprache. Es schwingen aktuelle politische Diskussionen (z.B: Pflegeregress, Mindestsicherung,….) in dieser Diskussion mit. Die Frage, was ein Sozialstaat „kosten“ darf, wird hier auf eine sehr private, persönliche Ebene transformiert und plötzlich befindet man sich inmitten einer Wertediskussion voller neoliberaler und christlich-sozialer Argumente und man fragt sich: Wo stehe ich eigentlich in dieser Diskussion?

Der Ausgangspunkt des Stückes war die Frage nach der Behandlung von Menschen mit Behinderungen und ein daraus entstandenes Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn man jemanden, der einem irgendwann ‚lästig‘ wird, einfach weg-, oder in diesem Fall, zurückgibt?
Ben Pascal, Inszenierung
ALL INCLUSIVE verstehe ich einerseits als einen Beitrag zu unserer inklusiven Theaterarbeit, andererseits wollen wir einem jungen österreichischen Autor und Regisseur die Möglichkeit bieten, unter professionellen Rahmenbedingungen ein Stück zur Uraufführung zu bringen.
Reinhold Tritscher, Künstlerischer Leiter Theater ecce
  • Schauspiel Philipp Kieninger, Pia Kolb, Beata Milewska, Reinhardt Winter
  • Kostüme Nora Fankhauser
  • Bühne Alois Ellmauer
  • Inszenierung Ben Pascal
  • Organisation Magdalena Croll

Gedanken zur Entstehung des Stückes

Der Ausgangspunkt des Stückes war die Frage nach der Behandlung von Menschen mit Behinderungen und dem Gedankenexperiment, wie es wäre, wenn man jemanden, der einem irgendwann „lästig“ wird, einfach weg-, oder in diesem Fall, zurückgibt. Dafür war es notwendig, die jeweiligen Motivationen der Figuren zu klären: Harald macht eine Reise, wobei diese Reise natürlich symbolisch gesehen werden muss. Nach dem Tod seiner Frau, seiner wirklichen und großen Liebe, will er ein neues Leben beginnen, möglicherweise nicht in dieser Welt.

Hanna war noch eine Schülerin, als sie schwanger wurde und auf allen Ebenen überfordert. Würde wohl eine Schülerin, die von „irgendjemandem“ (vermutlich nicht ihrem Freund) schwanger ist und weiß, dass das Kind mit einer schweren Behinderung auf die Welt kommt, dieses behalten? Erika, die Perle des Hauses schließlich lebt in ihrer eigenen Welt. Sie hört nur, was sie hören will, singt und tanzt und blendet somit alles Schreckliche dieser Welt aus. Sie weiß alles, versteht alles, erkennt alles, aber lässt nur zu, was ihr gut tut: eine Musical-Welt.

Und Samuel? Er kann sich nicht verstellen, er hat keine Masken, kann sich nicht wehren und wird in diesem Machtkampf verdinglicht. Er, der am wenigsten „schuld“ an etwas ist, wird zum großen Verlierer, möglicherweise eine Rolle, die ihm schon durch seine Geburt mitgegeben wurde.

ALL INCLUSIVE ist auch der Versuch, absurde Elemente mit realistischen zu vermischen, einen Tisch zum Leben zu erwecken, wodurch ein Ding menschlich und ein Mensch „dinghaft“ wird. Der Versuch, einen Menschen mit Down-Syndrom zu Wort kommen zu lassen, da einige Sätze dieses Theaterstückes direkt von Philipp oder Beatrix (meiner verstorbenen Tante, die auch Down-Syndrom hatte) stammen. Schließlich auch der Versuch, Themen anzusprechen, über die man lieber schweigt, wie zum Beispiel jenes, wie man sich verhalten soll, wenn geliebte Menschen einem „lästig“ fallen. Schlagwörter in diesem Zusammenhang sind: 24 Stunden Betreuung, Altersheim, aktive-passive Sterbehilfe,...“

Ben Pascal